[personal profile] noctifer
Autor: Noctifer
Rating: P18-Slash
Warning: Gewalt
Zeiteinstufung: [Pre] 'The Dawn'
Paring: Alucard x Walter
Sonstiges: Parallel zum Manga, canon-nah und keine Kitschromanze.

Der Tod ist der Archetyp der Verneinung.
Unbekannt

Leise, liebliche Musik durchzieht die Räume des altehrwürdigen Wingate-Gemäuers; Sei Solo - a Violino senza Basso accompagnato, Ciaccona 3/4 d-Moll, gespielt auf einem handwerklichen Meisterstück, dessen Klänge selbst die Herzen derer berührt, die selbiges seit Jahrhunderten nur noch als kalten, stummen Ballast im Brustkorb wahrnehmen.
Die letzten Töne der Audioaufzeichnung verklingen. Vor seinem inneren Auge sieht er, wie die Stradivari vorsichtig in ihren gepolsterten Geigenkasten zurück gelegt wird.
Wie ein Sarg, denkt er und verzieht seine Lippen zu einem Lächeln, bar jeder Freude.
Doch seine Aufmerksamkeit gilt nicht dem neumodischen Gerät, aus dem die sanften Töne erklingen, sondern dem Jungen, der in Begleitung der Musik eifrig einen wuchtigen Mahagonitisch poliert.

Mit gleichmäßigen Bewegungen bearbeitet er den Tisch, scheint benommen zu sein von dem intensiven Geruch des Bienenwachses und summt leise weiter, als die Musik längst verklungen ist.
Seit Stunden beschäftigt sich der Junge damit das große Arbeitszimmer auf Hochglanz zu bringen. Flink tänzelt er mit dem Staubwedel durch das Zimmer und bringt so die erste Erkenntnis für den Beobachter; Schnelligkeit war seine Stärke, ebenso wie er an der Art sich zu Bewegen erkannte, dass der Junge seinen Körper zu hundert Prozent unter Kontrolle hatte.
Die Bücherregale waren vom Staub befreit; gewissenhaft hat sich der Junge sogar auf die Lehne eines Stuhles gestellt, um selbst das Relief unter der Decke zu säubern.
Die zweite Erkenntnis für den stillen Beobachter: nicht nur, dass der junge Mann akkurat in der Ausführung seiner Tätigkeit ist, er denkt umfassend.

Erst, nachdem der Junge den Tisch von allen Seiten kritisch betrachtet hat, hier und da nachpoliert, wirft er sichtlich zufrieden den Lappen in einen Eimer und gönnt sich das erste Mal seit Stunden eine Pause.
Ein eisiger Wind zieht durch das Arbeitszimmer, als er das Fenster öffnet. Er setzt sich auf den schmalen Sims und lässt seine Füße über den Vorsprung baumeln. Ein Sturz aus dieser Höhe wäre für einen Menschen, wenn nicht tödlich, dann sicher mit durchaus schmerzhaften Folgen verbunden.
Leise knisternd frisst sich die Glut tiefer in den Tabak der Zigarette.
Die Flamme des Feuerzeugs spiegelt sich noch einige Sekunden in den Augen des Jungen wieder;  scharfsinnige Verschlagenheit, ausgelassener Spott.
Still genießen der Junge, wie auch sein Beobachter, den Moment absoluter Ruhe. Voll prangt der Mond am Himmel, taucht das weitläufige Anwesen, die Wiesen und Wälder, in geisterhaftes Licht.

Nacht für Nacht leistet er ihm stille Gesellschaft.
Ihm wurde aufgetragen unsichtbar zu sein und er hält sich an diesen Befehl. Wenn es ihm auch freistehen würde, diese zu missachten; letztendlich ist er ausschließlich der Sklave seiner Selbst.

Missmutig seufzt er in Gedanken, als eine leise Stimme an sein Ohr dringt.
„Wo bist du, Vampir?“

Er zieht sich zurück in die Dunkelheit, folgt dem Ruf hinab in die Kellergewölbe des Anwesens und manifestiert sich vor seinem nächtlichen Besucher.
„Du scheinst dich erholt zu haben.“
Noch immer ist sein Haar aschfahl; doch seine Augen, das lebendige, rote Farbspiel, zeugt davon, dass seine Jahrzehnte andauernde Gefangenschaft ihn keineswegs geschwächt hat.
„Wo warst du, Drăculea?“
Keine Furcht klingt in der Stimme seine Besuchers mit; viel mehr Respekt gegenüber dem Wesen, das er nun mal ist.
Respekt. Furchtlosigkeit. Allein zwei gute Gründen, den Mann am Leben zu lassen.
„Die Schönheit der Nacht erkunden, Sir Hellsing. Verzeiht, doch zu verlockend ist die Dunkelheit für mich.“
Aus der Mimik seines Gegenübers ist keine Emotion zu lesen. In seine Gedanken einzudringen wäre für den Sohn des Drachen ein Leichtes; doch er sieht davon ab.

Der unverkennbare Geruch von menschlichem Blut liegt in der Luft. Sein Blick driftet ab, hinüber zu seinem Sarg; mehrere Eimer voller Eis stehen davor aufgereiht.
„Nach dem Essen erwarte ich dich in meinem Arbeitszimmer.“
Ein knappes Nicken, mehr gesteht er Sir Hellsing nicht zu. Zu verführerisch ist der Geruch des Blutes.
„Wirst du mein Arbeitszimmer finden?“
„Gewiss.“
Ein breites Grinsen liegt auf seinen Lippen, als der junge Sir Hellsing den Raum verlässt und er sich endlich dem süßen Lebenssaft widmen kann.
„Gewiss, Gewiss“, murmelt er erneut und reißt eine Blutkonserve auf. Im ersten Moment rümpft er angewidert die Nase, sehnt sich danach, seine Zähne in warme, zarte Haut zu versenken und zu spüren, wie nach und nach das Leben aus dem Körper des Menschen weicht. Doch vorerst muss das kalte Blut aus der Konserve reichen.


Die Konserven sind leer, er ist satt, doch nicht zufrieden. Es ist die eine Sache, Blut einfach zu trinken, aber eine völlig andere, es sich zu erobern.
Die Jagd; der beschleunigte Herzschlag der Beute, der Geruch der Angst von ihr ausgehend und letztendlich der Triumph über sie, über das Leben selbst, konnte in keine Konserve verpackt werden.
Missmutig wirft er die letzte leere Verpackung in einen Eimer, legt den Kopf in den Nacken und lauscht. Der Wind zieht durch die alten Mauern, bricht sich an Kanten und pfeift so eine leise, schauerliche Melodie.
Sein Quartier, wenn man dieses modrige Drecksloch denn so nennen will, ist durchaus geräumig. Doch hier enden bereits die positiven Aspekte, die er seinem Gefängnis zugestehen kann. Vielleicht noch, dass sein Sarg hier sicher ist, sein Schlaf gut bewacht; direkt im Nest der Vampirjäger, in ihrer Mitte.

Vor dem Aufgang hält er inne, lächelt schmal und als er schließlich durch die Türe tritt, ist seine Gestalt verändert:
Unter einem geraden, in die Stirn hängenden Pony glühen zügellose rote Augen.
Seine Gesichtszüge sind weicher, ebenso wie seine Statur zerbrechlicher wirkt, abgesehen von der verringerten Körpergröße.
Zufrieden mit sich streicht er über das schneeweiße Hemd; ähnlich dem, das der Junge aus dem Arbeitszimmer getragen hat. Wenn es auch ein menschlicher Zug ist, so frönt er gerne der Eitelkeit: Die Farbe seiner Krawatte harmoniert mit der seiner Augen. Blütenweiß ist auch die Weste und seine Hose, welche er beide mit kritischem Blick betrachtet.

Einst sagte man ihm: 'Das Leben und die Schönheit sind vergänglich.'
Spottend lacht er in die Stille, während er das altehrwürdige Wingate-Anwesen durchquert.
Für Sterbliche mochte das Leben und die Schönheit vergänglich sein, doch was interessiert es ihn, was Sterbliche glauben und denken?
Ihre Gedanken, ihre Meinungen würden sie mit ins Grab nehmen.
Indes würde er weiterleben.
Auf ihren Gräbern seinen Totentanz fortführen. Und wenn ihre Knochen längst zu Staub verfallen waren, würde er das warme Blut ihrer Kinder und Kindeskinder seine Kehle hinab rinnen lassen.

Über die Jahrhunderte mochte er einen Großteil seiner Menschlichkeit verloren haben; die kurzlebigen Menschen nur als Nahrungsquelle ansehen und ihrem Leben keinen Wert zumessen, doch einige Dinge gibt es, an die er sich noch gut erinnert.
Manieren. Etikette.
Ein Wojwode ist schließlich kein Wilder.
Einige dumpfe Schläge hallen durch die Flure und während er auf die Aufforderung einzutreten wartet, fragt er sich, wie sehr sich Sir Hellsing erschreckt haben mochte.
Vermutlich hat er darauf gewartet, dass sein Gast durch eine Wand hereinspaziert oder plötzlich vor ihm steht.
Ein amüsiertes Lächeln liegt auf seinen Lippen, als er nach einem auffällig verdutzten Brummen aus dem Inneren des Arbeitszimmers die Türe öffnet.
War Sir Hellsing vormals nur über seine Manieren verblüfft gewesen, so weiteten sich die Augen seines neuen Meisters nun in vollendeter Ungläubigkeit.
„Guten Abend, Herr.“
Seine Stimme klingt hell; nicht eindeutig weiblich, doch ebenso wenig männlich.
Mit einer leichten Verbeugung zollt er seinem neuen Herrn seinen Respekt; so viel Respekt, wie er einem Menschen gegenüber aufbringen kann. Sein vormals amüsiertes Lächeln verzieht sich zu einem sadistischen Grinsen bei dem Gedanken, dass es sicherlich eine abwechslungsreiche, spaßige Erfahrung für ihn sein wird, diesem Orden zu dienen. Den Genuss ihres vermeintlichen Triumphes über ihn, das Monster, weiter zu schüren und letztendlich, wenn er ihnen überdrüssig werden würde, die süße Note des Irrsinns in ihrem Blut zu schmecken, wenn er sie voller Genugtuung tötete.

Sein Blick gleitet ab; selbstverständlich weiß er, dass Sir Hellsing nicht allein im Arbeitszimmer ist; der Junge ist noch immer hier. Sein Geruch, sein Herzschlag verraten ihn.
Und diese zwei Aspekte verraten auch, dass das Aussehen, welches der Sohn des Drachen zumindest zeitweise denkt beizubehalten, bei dem jungen Butler auf reges Interesse stößt.

„Walter.“
Sir Hellsings Stimme scheint den Jungen aus seinen Tagträumen zu reißen.

Walter.

„Guten Abend, Walter.“
Der junge Butler scheint nicht darauf vorbereitet zu sein, von dem Gast, dem hübschen Mädchen, angesprochen zu werden, und zuckt zusammen.
„Guten Abend, Miss.“
Zumindest ist er gut erzogen; mit zwei Schritten steht er vor dem Mädchen und haucht ihr einen Kuss auf den Handrücken.
In der Bewegung erstarrt er.
Das Mädchen lächelt noch ein wenig breiter, entblößt ihre Spitzen Eckzähne und sieht ihrem Gegenüber direkt in die Augen.
Im ersten Moment erkennt sie Überraschung, das sich zu Entsetzen wandelt.
Im nächsten Moment liegt es an dem Vampir, fassungslos zu sein.
Eine schnelle Bewegung des Jungen; er hätte ihn daran hindern können, kein Zweifel, doch er hat nicht damit gerechnet. Ein leises Röcheln kommt über seine Lippen,  Blut fließt langsam aus seinem Hals und färbt seine Kleidung rot.

Als sein Kopf zu Boden fällt und sein Körper mit einem dumpfen Schlag hinter ihm aufprallt, beginnt er leise zu lachen.

Und während sein Körper zu einem lebendigen Schatten wird, sieht er, wie der Butler einige Schritte zurücktritt und mit mordlüsternem Glitzern in den Augen jeder seiner Bewegungen folgt.
Plötzlich spürt er aufkeimenden Respekt für den Jungen in sich, welcher es geschafft hat, ihn vollendetes Monster eiskalt zu erwischen.

„Willkommen bei Hellsing.“
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